Project Description

silhouette Tanne mit Beinen

Rodung Kreuzung Lichtung

Gesamtausgabe Grimms Märchen mit zeigenössischer Bildwelt
5 Bände, Verlag TEXTEM Hamburg

Project with drawings about Grimms fairy tales. 2018 – 2024
5 Volumes, TEXTEM Publishing house, Hamburg 

Link project website: http://www.grimmschrat.de

(Wieder)lesen und Befragen der grimmschen Texte. Einbindung in eine zeitgenössische Bildwelt. Wie kann es gelingen, historische Tiefe mit allen Problemen und Möglichkeiten zu aktualisieren ohne sie abzuschneiden? Dem Projekt liegt der Versuch zugrunde, aktiv mit der Rezeptionsgeschichte der Texte umzugehen, sie nicht zu verändern, sondern über einen visuellen Kommentar – Illustration – neu zu lesen.
Die Texte werden unverändert in der jeweils letzten zu Lebzeiten der Grimms publizierten Version übernommen. Die 240 Texte werden neu sortiert und nach Themenclustern in 5 Bände aufgeteilt.

1) 2020 SCHNEEFALL  Himmel und Hölle
2) 2021 DORNENROSE  Liebe und Reise
3) 2022 LUMPENGESINDEL  Tiere und Menschen
4) 2023 BLAUBART Blut und Dinge
5) 2024 UND GRETEL  Zauber und Zukunft

Handlungsorte die in den Bildern auftauchen sind häufig mit realen Orten unterlegt – das Bankenviertel in Frankfurt, das Kanzleramt in Berlin, der Hafen in Hamburg; oder auch: die anonyme Dönerbude der Ecke und ein Bahnhof. Wald bricht in die Stadt ein, die Stadt ist der Wald. Die agierenden Personen, das ‚Märchenpersonal‘ beziehen sich auf real exestierenden Figuren: Ob der König Obama heißt, oder die Prinzessin Kate Moss, oder der Teufel Alexander Gauland: Figuren – die auch fiktiv sein können, wie Batman – besetzen Stellen in den Texten und verspannen sie zeitgemäß. Viele dieser Figuren werden in 20 Jahren nicht mehr unmittelbar bekannt sein. Eine Momentaufnahme. Die Geschichten bleiben gleich, das Personal wechselt.

Warum das Buch so ist, wie es ist

Rodung Kreuzung Lichtung ist eine neu bebilderte Gesamtausgabe aller 240 Grimmschen Märchen in fünf Bänden. Die Entstehung der Bilder kann beobachtet, kommentiert und beeinflusst werden – über die Projektwebsite, Newsletter, Instagram oder Facebook. In den Zeichnungen tauchen gelegentlich Personen und Orte aus der Wirklichkeit auf. Viele Motive sind für alle erkennbar, bei Prominenten bekannt aus den Medien, andere vielleicht nur für die, die sich persönlich ins Projekt eingebracht haben. Diese Netzwerkidee, der Prozess und die Verankerung in realer und medialer Welt ist kennzeichnend für das Projekt.

Neue Bilder für Märchen? Jetzt?

Entstehung und Rezeptionsgeschichte geben den Grimmschen Märchen eine einmalige Position. Es ist auch im Jahr 2020 eine Herausforderung, Bilder zu finden, die Erzählungen und Vorstellungen verknüpfen, die uns aktuell vertraut sind, aber trotzdem die Romantik und Wucht der alten Texte respektieren.

Die Märchen spielten eine Rolle in der Konstruktion von Identität und dem Beginn nationaler Zuschreibungen Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie fungierten als Gemütsfalle einer Gegenreformation einerseits, andererseits ist die Märchensammlung das Projekt der Frühromantik, eine progressive Reaktion auf das Klappern der Fabrikräder im anbrechenden Kapitalismus. Man versicherte sich so der Vergangenheit in Zeiten raschen Wandels, ausgelöst durch den Technologieschub des 18. Jahrhunderts und der Aufklärung. Max Weber spricht von »Okzidentalem Rationalismus«, Novalis schreibt: »Die Welt muss wieder romantisiert werden.« Eine Scharnierposition, die sie auch heute interessant macht.
Im Jahr 2020 werden Identitätsfragen anders diskutiert, Globalisierung und Netzwerke spielen dabei eine entscheidende Rolle. Über Rollenzuschreibungen und kulturelle Markierungen wird neu nachgedacht. Die Märchen haben viel mit Identität und Heimat1 zu tun. Was wäre interessanter, als sie neu zu bebildern?
Der Fantasy-Bereich hat sich in den letzten 30 Jahren massiv entfaltet. Man könnte es als Reaktion auf Globalisierung lesen, analog der Romantik vor 200 Jahren. Es ist angemessen, in den neuen Illustrationen einen künstlerischen Schulterschluss zu diesen Bildwelten zu versuchen, zu Filmen, Musik und Games, die massive popkulturelle Wirkung entfaltet haben. Wie sieht eine Herrscherin oder ein Herrscher heute aus, in der Realität oder in Bildern und Filmen, mit denen wir 2020 vertraut sind? Was ist heute der Wald, wo wohnen »arme« Leute? Vermutlich eher in einer Plattenbausiedlung als in einer Kate.
Auch Reisen und Migration spielen in Märchen eine Rolle, sei es, um der Armut zu entkommen oder um die Brüder wiederzufinden oder eine Prinzessin zu befreien.2 Wie sehen die Bilder heute dazu aus?

Man muss zurücktreten vom Alltagslärm, aber ihn unbedingt im Ohr behalten. Es bleibt ein Märchenbuch, es soll vergnüglich sein. Wenn es gelingt, ist es mehr als das.

Illustrationsgeschichte und Widmung
Grimms Märchen gehören zu den meistbebilderten Texten, großartige Künstler wie Ludwig

Richter, Otto Ubbelohde, Max Slevogt, Walt Disney oder Werner Klemke und viele, viele mehr haben sich mit ihnen befasst.3
Werner Klemke habe ich den ersten Band in Verehrung gewidmet. Er hat eine Märchenausgabe illustriert und typografisch gestaltet, die 1963 erschien und die heute in der 35. Auflage vorliegt. Die Sorgfalt, mit der er das Verhältnis von Bild zu Text aufbaut und einen dritten Bedeutungsraum zwischen diesen Aussagequalitäten erarbeitet, beeindruckt mich tief. Das ist große Kunst. Von kleinen visuellen Einheiten – Bildworte – über etwas größere, als Wortgruppen lesbare Illustrationen bis hin zu komplexen Bilderzählungen webt er ein dichtes Netz aus Bild und Text, das stilistisch in der Zeit der 60er geboren ist, aber darüber hinausweist.4

Die Geschichte der Märchenillustrationen legt die Kulturgeschichte der letzten 200 Jahre offen: Biedermeier, Vermittlung von (christlicher) Moral, nationalistische Tendenzen, Antiromantik in der Moderne, Popkultur, psychoanalytische Interpretationen und Adaptionen im Fantasy-Bereich finden sich und spiegeln an den immer gleichen Texten die aktuelle Position.
Mit etwas weichen Knien, aber auf einen Pinsel gestützt stelle ich mich in diese Reihe. Es ist ein chinesischer Pinsel – ein Detail, das ich mag. Seit ich in China in die Arbeit mit diesen weichen und präzise modulierbaren Pinseln eingeführt wurde, sind sie mein Lieblingswerkzeug. Sämtliche Zeichnungen in diesem Band sind in Tusche und mit chinesischem Pinsel gearbeitet, Format A3. Bei den großen Initialen der Märchen kommt eine Zeichenfeder dazu. Digitale Bearbeitung gab es nur in wenigen Fällen.

Herkunft der Texte, das Sammeln und Schreiben der Grimms

Die historische Leistung der Brüder Grimm ist kaum zu überschätzen. Ich bin großer Fan der Grimms, ihres Schaffens und als Figuren ihrer Zeit. Mit dem Sammeln und Formulieren der Märchen traten sie in die Tradition des Sammelns alter Texte ein, einer wichtigen Unternehmung der Romantik. Clemens Brentano und Achim von Arnim hatten 1805–1808 eine Sammlung „alter“ Lieder herausgegeben (Des Knaben Wunderhorn) und wollten sie um eine Märchensammlung erweitern. Die Grimms, noch Studenten, sollten ihnen Texte recherchieren und übernahmen dann 1811 das Projekt selbst.

Zu Lebzeiten der Brüder Grimm sind sieben Mal die kompletten Märchen herausgegeben worden. Von der ersten Auflage (1812/15, Band 1 + 2) bis zur Ausgabe „von letzter Hand“ 1857 kamen neue Märchen hinzu oder wurden andere wieder herausgenommen. Mit den unbekannteren, fragmentarischen oder sich wiederholenden Motiven bildet sich eine umfassende Textmenge von 240 Märchen. Die Sammlung ist ein Fenster in einen wichtigen historischen Moment hinein. Die Idee der „Naturpoesie“ im romantischen Umfeld spielte eine bedeutende Rolle, als die Grimms darangingen, das Genre der „Volksmärchen“ neu zu definieren und ihm eine Stimme zu geben. Besonders Wilhelm Grimm hat die überlieferten Texte neu formuliert und vielfach überarbeitet.
Ein wichtiger Eingriff, der ihre Version so dauerhaft macht, war das Reduzieren moralischer Botschaften, die in früheren Versionen häufig explizit zu finden sind. Da, wo eine moralische Nachricht in der Handlung integriert war, ist sie jetzt noch klar zu finden.5
Konstruktion einer deutschen Identität aus dem Geist der Sprache könnte man das Lebensprojekt der Grimms nennen, und es war schon in den Märchen angelegt. Sie sind jedoch das einzige ihrer großen Werke, das nicht „deutsch“ im Titel führt.
Die Märchen sind artifizielle literarische Kunstwerke des frühen 19. Jahrhunderts und nicht so sehr die aufgeschriebene uralte mündliche Erzählung, als die sie lang wahrgenommen wurden. Das Raunen aus der Tiefe der Zeit war ein romantisches Ideal, und die Grimms waren Medienprofis genug, das genauso aussehen zu lassen und an dieser Konstruktion mitzuwirken. Die Herkunftsgeschichten der Texte sind aufschlussreich, Entwicklung und Definition kultureller Zusammenhänge bilden sich ab. Es ist großartig, das Zusammenspiel aus diversen Quellen mit ihren regionalen Auslegungen zu sehen, etwas, das methodisch nicht aktueller sein könnte. Ein Paradebeispiel für das Entstehen von Kultur. Die Grimms griffen jeweils auf einzelne oder mehrere Formen einer Erzählung zurück, um ihre Version der Texte zu formulieren. In vielen Fällen sind die Grimmschen Quellen schriftlicher Natur (z. B. Hans Sachs, Perraults französische Märchensammlung oder Basiles Pentameron aus Italien). Was die Grimms tatsächlich mündlich erhielten, bekamen sie häufig von Frauen erzählt6, teilweise aus ihrem direkten sozialen Umfeld. Die in Frankreich verfolgten Hugenotten, die sich auch in Hessen (z. B. in Kassel und Hanau) angesiedelt hatten, fanden so ihren Eingang in die Sammlung, über die Herkunft der Märchenerzählerinnen. Darin steckt eine gewisse Ironie, wenn man das Projekt der Grimms bedenkt, eine nationale Erzählung zu formulieren.
Die große Zahl der durch Frauen übermittelten Erzählungen mag einer der Gründe sein, warum die Märchen eine für die Zeit unerwartet starke Position der Mädchen und Frauen enthalten, und es sind auch einige Märchensammlungen in diesem Sinne erschienen.7

Die Reihenfolge der Märchen und ihre Aufteilung in Bände
Die Märchen sind in Rodung Kreuzung Lichtung nicht in der grimmschen Reihenfolge geordnet. Aus der Zusammenschau der Texte wurden inhaltliche Muster geformt. Das Vergnügen am Lesen der Bände stand bei der Anordnung im Vordergrund, Spannungsbögen aufzubauen, Themen zu streuen, aber auch Ähnliches vergleichbar zu machen.
Band 1 SCHNEEFALL –- Himmel und Hölle
Band 2 DORNENROSE – Liebe und Kampf
Band 3 LUMPENGESINDEL – Tiere und Menschen
Band 4 BLAUBART – Blut und Dinge
Band 5 UND GRETEL – Zauber und Frau
Wir haben nicht in die Texte eingegriffen, auch wenn nach heutigen Vorstellungen manche Dinge nicht akzeptabel sind (dazu gehören rassistische, sexistische und antisemitische Passagen, um nur einige wenige Probleme anzudeuten). Zugrunde liegt eine behutsam auf heutige Lesbarkeit8 aktualisierte Version, die im Wesentlichen auf die Ausgabe von 1857 zurückgeht, oder auf die letzte jeweilige Ausgabe, in der das Märchen enthalten war. Die 1857er- Ausgabe enthält 200 Märchen und 10 Kinderlegenden.9

Es gibt gute Gesamtausgaben der Grimmschen Märchen, die über Editionsgeschichte und Kontext der Entstehung Auskunft geben. Die Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlag, Band 16, enthält neben allen Märchen sämtliche Anmerkungen der Brüder Grimm. Ebenso ist Heinz Röllekes schmales Reclam-Bändchen Die Märchen der Brüder Grimm. Eine Einführung aufschlussreich, wenn es um Herkunft, Umfeld und Editionsgeschichte geht. Wer es genau wissen will, sollte sich Märchen, Mythen und Moderne besorgen, ein zweibändiges Werk, das im Nachgang eines großen Märchensymposiums zum 200-jährigen Erscheinen der Kinder- und Hausmärchen herausgegeben wurde.10
In diesem Sinne ist das Projekt Rodung Kreuzung Lichtung der Versuch einer aktuellen Betrachtung der historischen Texte.

1 Zimmermann, Harm-Peer (2017): Heimat. Gefühl und Begriff bei den Brüdern Grimm. In: Schleswig Holstein, Die Kulturzeitschrift für den Norden, Themenheft II: Mythen/Märchen, 2017

2 Siehe z. B. Zimmermann, Harm-Peer (2017): Migration in Märchen. In: Schleswig Holstein, Die Kulturzeitschrift für den Norden, Themenheft II: Mythen/Märchen, 2017

3 Siehe z. B. Bunzel, Wolfgang/Harms, Anke (Hg.) (2012): Hänsel und Gretel im Bilderwald. Katalog zur Ausstellung. Frankfurt: Freies Deutsches Hochstift

4 Die Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm; Beltz / Der Kinderbuch Verlag, 35. Auflage, 2009;

5 Besonders dramatisch zum Beispiel im Märchen Marienkind; das lange zu den immer wieder gedruckten Texten gehörte, dann aber aus dem Kanon der „großen Märchen“ herausfiel.

6 Ein in der Märchenforschung oft bearbeitetes Thema, wenngleich es bis in die 1970er Jahre dauerte, bis man daraus wirklich Schlussfolgerungen zog. Auch hier gehörte Heinz Rölleke zu den Vorreitern. Der relativ hohe Bildungsstand, die teilweise hugenottisch (französische) Prägung der Märchenzuträgerinnen werden heute als gegeben angenommen. Wilhelm Grimm heiratete etwa Dorothea Wild, von der eine ganze Anzahl Märchenvorlagen stammen. Der Bildungsstand dieser Frauen hatte Auswirkungen auf die Erzählun und schlägt sich in den Texten nieder. Das Fehlen erotischer Komponenten etwa, das die Grimms weiter reduzierten, etwa im ‚Rapunzel‘. Siehe z. B. Rölleke, Heinz, Die Märchen der Brüder Grimm. Eine Einführung; Reclam, Stuttgart; Rölleke, Heinz: Weder deutsch noch Volk, Ein Gespräch mit dem Germanisten Heinz Rölleke über die wahre Herkunft der Grimmschen Märchen / von Christian Staas; www.zeit.de/2012/50/Brueder-Grimm-Maerchen-Roelleke DIE ZEIT Nr. 50/2012

7 Zuletzt bei Reclam, Grimms Märchen für Heldinnen von heute und morgen; zusammengestellt von Felicitas Hoppe mit Bildern von Rosa Loy, Stuttgart 2019

8 Etwa wird aus Thür das h genommen, um zu Tür zu kommen. Die Website www.grimmstories.com war eine wesentliche Quelle, die im Abgleich mit den Originalen zugrundegelegt wurde.

9 Die exakte Liste, welches Märchen in welcher Ausgabe findet man hier: https://de.wikisource.org/wiki/Kinder-_und_Hausmärchen

10 Brinker-von der Heyde, Claudia, Holger Ehrhardt, Hans-Heino Ewers-Uhlmann (Hg) (2015) Märchen, Mythen und Moderne: 200 Jahre «Kinder- und Hausmärchen» der Brüder Grimm – Teil 1 und 2. Bern: Peter Lang Verlag

Herder bei der Hexe

Grimms Märchen werden mit Tuschzeichnungen in einen zeitgenössischen visuellen Bezugsraum gestellt. In Zeiten von Retrotopie, Fake news und Identitärer Bewegung ist es interessant, Märchen neu zu bewerten. Reale Schauplätze, Politiker, Popikonen und normale Menschen treten auf. Sci-Fi, Computerspiele und Fantasy als heutige Narrative sozialer Utopien werden in Beziehung gesetzt, und formulieren einen komplexen zeichnerischen Erzählrau.

Herders Projekt der kulturellen Identität steht für einen Aufbruch in kulturelle Pluralität. Grimms Märchen werden in diesen Zusammenhang neu Gelesen und visuell annotiert. konstruktivistischen Identitätserzeugung (Hobsbowm, Anderson)

Herder bei der Hexe

Grimms Märchen. Was tun mit dem Narrativ, den diese 240 Texte ergeben, in Zeiten wie diesen? Ehrlich gesagt, hab ich nicht vor, sie von neuen Heimatvereinen vereinnahmen zu lassen. Über Jahre habe ich künstlerisch aktuell immer wieder mit ihnen gearbeitet, und zuviele Fragen, die heute relevanter denn je sind, stecken darin. Meinen Kindern hab ich sie vorgelesen, die Populären wie auch die Merkwürdigen, und sie liegen mir am Herzen. Es bedarf eines größer angelegten Überdenkens, das in diesem Projekt passieren soll.

Das Projekt
Grimms Märchen werden als Tuschzeichnungen in einen visuellen Bezugsraum gestellt, der sich an u.g. Themen orientiert. Eine Art Grafik Novel, Bild-Text-Nexus, mit visuellen Querverweisen.
Der Text bleibt unangetastet. Im gezeichneten Kontext werden Figuren aus dem aktuellen Zeitgeschehen oder aus dem populären Fantasy/Gaming-bereich eingesetzt. Das Geschehen wird an spezifische Handlungsorte verlegt. McDonalds als Knusperhäuschen?

Was passiert, wenn man in die Rollen- und Organisationszusammenhänge anders besetzt?

Der kleine Bogen

Grimms Märchen als Folie; Entstehung und Rezeptionsgeschiche geben ihnen eine einmalige Position. Sie waren ein Moment der Konstruktion von nationaler Identität in der Romantik, als Gemütsfalle einer Gegenreformation einerseits. Andererseits das Projekt der Frühromantik als progressive Reaktion auf den kaptitalistischen ‚Okzidentalen Rationalismus‘ (Max Weber).
– Referenzpunkt: Gottfried Herder neu lesen, der plurales, multikuturelles Denken (Toleranz & Nationen) in die europäische Geistesgeschichte einführte. Herder als Aufklärer & Frühromantiker.
– Die zeitgenössische Position: Wachsen des Fantasy-Bereichs, Wiederkehr des Science Fiction: Fluchtwelt oder Verhandlungsort von Utopien? Welche Character & Community – designs werden angenommen? Wie sehen die Organisationen und die Ökonomie aus? In Computerspielen, MMPORGs, (Rollen/Rassendefinitionen), Game of Thrones etc.

Der große Bogen
– Gefährliche Retrotopien und der Wiedergänger der Idee der nationalen Identität
– konstruktivistischen Identitätserzeugung (Hobsbowm, Anderson) bzw. Dekonstruktion der nationalen Zuschreibungen
– das Ganze in postfaktischer Demokratie: Von der Metaphysik rationaler Argumente im Kaptialismus und der unkontrollierten Machtenfaltung domestizierter Bilder und Geschichten.