Grimm2019-08-19T13:37:22+02:00

Project Description

silhouette Tanne mit Beinen

Grimm

aka ‚Herder bei der Hexe‘
Projekt mit Zeichnungen zu den Grimm – Märchen 2018 – 2025
Erstellung einer Bildwelt.
Stipendium Kunstfonds Bonn, 2019 (A1)

Project with drawings about Grimms fairy tales. 2018 – 2025
aka ‚Gottfried Herder meets the Witch‘
Grant of the Kunstfonds Bonn (A1)

Reale Orte & Personen. Die Stadt ist der Wald. Deutschland 2019. Die andere Seite.

Handlungsorte die in den Bildern auftauchen sind häufig mit realen Orten unterlegt – das Bankenviertel in Frankfurt, das Kanzleramt in Berlin, der Hafen in Hamburg; oder auch: die anonyme Dönerbude der Ecke und ein Bahnhof. Die Szenerie ist romantisch durchmischt, Wald bricht in die Stadt ein, die Stadt ist der Wald. Die agierenden Personen, das ‚Märchenpersonal‘ beziehen sich auf real exestierenden Figuren: Ob der König Barack Obama heißt, oder die Prinzessin Kate Moss, oder der Teufel Alexander Gauland: Figuren – die auch fiktiv sein können, wie Batman – besetzen Stellen in den Texten und verspannen sie zeitgemäß. Viele dieser Figuren werden in 20 Jahren nicht mehr unmittelbar bekannt sein. Eine Momentaufnahme. Die Geschichten bleiben gleich, das Personal wechselt.

Herder bei der Hexe

Grimms Märchen werden mit Tuschzeichnungen in einen zeitgenössischen visuellen Bezugsraum gestellt. In Zeiten von Retrotopie, Fake news und Identitärer Bewegung ist es interessant, Märchen neu zu bewerten. Reale Schauplätze, Politiker, Popikonen und normale Menschen treten auf. Sci-Fi, Computerspiele und Fantasy als heutige Narrative sozialer Utopien werden in Beziehung gesetzt, und formulieren einen komplexen zeichnerischen Erzählrau.

Herders Projekt der kulturellen Identität steht für einen Aufbruch in kulturelle Pluralität. Grimms Märchen werden in diesen Zusammenhang neu Gelesen und visuell annotiert. konstruktivistischen Identitätserzeugung (Hobsbowm, Anderson)

Herder bei der Hexe

Grimms Märchen. Was tun mit dem Narrativ, den diese 240 Texte ergeben, in Zeiten wie diesen? Ehrlich gesagt, hab ich nicht vor, sie von neuen Heimatvereinen vereinnahmen zu lassen. Über Jahre habe ich künstlerisch aktuell immer wieder mit ihnen gearbeitet, und zuviele Fragen, die heute relevanter denn je sind, stecken darin. Meinen Kindern hab ich sie vorgelesen, die Populären wie auch die Merkwürdigen, und sie liegen mir am Herzen. Es bedarf eines größer angelegten Überdenkens, das in diesem Projekt passieren soll.

Das Projekt
Grimms Märchen werden als Tuschzeichnungen in einen visuellen Bezugsraum gestellt, der sich an u.g. Themen orientiert. Eine Art Grafik Novel, Bild-Text-Nexus, mit visuellen Querverweisen.
Der Text bleibt unangetastet. Im gezeichneten Kontext werden Figuren aus dem aktuellen Zeitgeschehen oder aus dem populären Fantasy/Gaming-bereich eingesetzt. Das Geschehen wird an spezifische Handlungsorte verlegt. McDonalds als Knusperhäuschen?

Was passiert, wenn man in die Rollen- und Organisationszusammenhänge anders besetzt?

Der kleine Bogen

Grimms Märchen als Folie; Entstehung und Rezeptionsgeschiche geben ihnen eine einmalige Position. Sie waren ein Moment der Konstruktion von nationaler Identität in der Romantik, als Gemütsfalle einer Gegenreformation einerseits. Andererseits das Projekt der Frühromantik als progressive Reaktion auf den kaptitalistischen ‚Okzidentalen Rationalismus‘ (Max Weber).
– Referenzpunkt: Gottfried Herder neu lesen, der plurales, multikuturelles Denken (Toleranz & Nationen) in die europäische Geistesgeschichte einführte. Herder als Aufklärer & Frühromantiker.
– Die zeitgenössische Position: Wachsen des Fantasy-Bereichs, Wiederkehr des Science Fiction: Fluchtwelt oder Verhandlungsort von Utopien? Welche Character & Community – designs werden angenommen? Wie sehen die Organisationen und die Ökonomie aus? In Computerspielen, MMPORGs, (Rollen/Rassendefinitionen), Game of Thrones etc.

Der große Bogen
– Gefährliche Retrotopien und der Wiedergänger der Idee der nationalen Identität
– konstruktivistischen Identitätserzeugung (Hobsbowm, Anderson) bzw. Dekonstruktion der nationalen Zuschreibungen
– das Ganze in postfaktischer Demokratie: Von der Metaphysik rationaler Argumente im Kaptialismus und der unkontrollierten Machtenfaltung domestizierter Bilder und Geschichten.